Digitalisierung: Datenschutz als letzte Ausrede

Sensible Daten müssen gut geschützt sein. Doch dass es sie gibt, ist keine geeignete Ausrede, um den technischen Fortschritt ganzer Wirtschaftszweige zu bremsen oder gar zu verhindern.

Technologisch gesehen sind zahlreiche und vielseitige Möglichkeiten für eine umfassende Digitalisierung verschiedener Bereiche in Deutschland bereits vorhanden. Prozesse und Tätigkeiten in der Industrie und im Dienstleistungssektor, im Alltag und Arbeitsleben können weiter digitalisiert und damit verändert oder vereinfacht werden – dennoch hapert es branchenübergreifend an der Umsetzung und Nutzung. Die größte Hürde stellt wohl der Datenschutz dar. Dieser wird häufig als letzte Ausrede genutzt, wenn der Mut für neue Schritte in Richtung Digitalisierung fehlt. Dabei können und müssen datenschutzrechtliche Richtlinien neu ausgelegt und an die Fortschritte der Technologie angepasst werden. Gleichzeitig werden schon heute unterschiedliche Sicherheitskonzepte für kritische Daten angeboten, die nur noch auf ihre Anwendung warten.

Schaut man zum Beispiel auf das Gesundheitswesen, so fällt auf, dass im Healthcare-Bereich zurzeit viele verschiedene Projekt- und Forschungsgruppen an individuellen Therapieansätzen oder frühzeitig anschlagenden Warnsystemen arbeiten. Diese Therapien und Systeme funktionieren dabei auf Basis von Datenanalysen und -abgleichungen. Der Einsatz ist etwa in der Krebsforschung möglich, wenn eine durch Krebszellen veränderte DNA mit einer großen Referenzdatenmenge vergleichbarer DNA abgeglichen wird. Regelmäßig auftretende Symptome und übereinstimmende Krankheitsverläufe können so schneller identifiziert werden. Ein weiteres Einsatzgebiet kann die Diabetesforschung sein, bei der die Live-Daten eines Patienten, die ein auf die Haut geklebter Chip ermittelt, regelmäßig kontrolliert und mit weiteren Patientendaten verglichen werden können.

Technologischer Fortschritt trotz Datenschutz

Neueste Technologien der Datenanalyse und -aufbereitung machen diese Formen der Krankheitsforschung und Gesundheitskontrolle möglich. Allerdings scheitert die Umsetzung bislang noch immer an datenschutzrechtlichen Bedenken und Richtlinien. Selbstverständlich müssen sensible Patientendaten vertraulich behandelt und von Missbrauch geschützt werden. Doch scheint der strenge Datenschutz wichtige Entwicklungen und Initiativen zu hemmen, was dem Fortschritt des Gesundheitswesens schadet. Ein Sammeln und Austauschen von – möglicherweise anonymisierten – Patientendaten kann die Erforschung von Krankheiten und die Behandlung von Patienten positiv beeinflussen – wenn nicht sogar revolutionieren.

Diese teilweise unbegründete Angst vor dem Ausschöpfen der Möglichkeiten der Digitalisierung kann auch auf andere Branchen und Bereiche übertragen werden. Deutsche Wirtschaftsunternehmen scheuen sich noch zu sehr vor der Implementierung digitaler Technologien und Innovationen. Zu sehr sorgen sie sich um risikobehaftete firmeninterne Daten. Diese zu schützen ist richtig und wichtig, dennoch sollte diese Sorge nicht verhindern, dass Unternehmen technologisch auf der Höhe der Zeit bleiben. Digitale Innovationen zu verweigern schützt zwar Daten, verringert langfristig aber die Wettbewerbsfähigkeit – national und besonders international. Dabei gibt es bereits heute zahlreiche Wege, sensible Daten innerhalb einer neuen IT-Infrastruktur ausreichend zu schützen: Dienstleister bieten umfassende Managed Security Services an, die Spionage und Angriffe abwehren und regelmäßige Sicherheitskontrollen von Cloud-Umgebungen durchführen. Werden diese Sicherheitsangebote angenommen, können deutsche Unternehmen ihren bisherigen Aufholbedarf hinsichtlich digitaler Technologien reduzieren. Für eine erfolgreiche und umfassende Digitalisierung braucht es schließlich nur Mut, neue Denkweisen – und keine Ausreden mehr.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf www.huffingtonpost.de

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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