Die Digitale Transformation – Zehn Thesen für deutsche Unternehmen

Der digitale Wandel ist keine Modeerscheinung, sondern längst Realität. Bei den deutschen Unternehmen ist das – so scheint es auf den ersten Blick – angekommen.  93 Prozent von ihnen sehen sich nach einer Studie von Crisp Research im Auftrag von Dimension Data im Angesicht des Wandels gut oder sehr gut aufgestellt. Was aber zu denken gibt: Nur 42 Prozent der Befragten haben bislang eine funktionierende Digitalstrategie. Unternehmen müssen die eigene digitale Transformation wollen – sie müssen aber auch einiges dafür tun. Die folgenden zehn Thesen ordnen Chancen und Herausforderung des Umbruchs ein.

1. Die Digitale Transformation ist ein Marathon.

Industrie, Dienstleistungs- und Finanzsektor: Die Digitale Transformation ist in vollem Gange und hat mittlerweile sämtliche Branchen mehr oder minder fest im Griff. So schätzt beispielsweise der Großteil der Industrieunternehmen in Deutschland den Einfluss des digitalen Wandels auf das eigene Geschäft als überdurchschnittlich hoch ein. Gleichzeitig haben hier erst unterdurchschnittliche 35 Prozent eine Digitalstrategie umgesetzt. Das zeigt: Die Ambitionen sind hoch, doch die Umsetzung ist nicht mit einem Schritt getan. Der Transformationsprozess ist vielmehr ein Marathon, der einer klugen Renneinteilung genauso bedarf wie Investitionen an den entscheidenden Stellen – das Team im Hintergrund nicht zu vergessen.

2. Deutscher Mittelstand droht an der Digitalen Transformation zu scheitern.

Die Digitale Transformation ist in deutschen Unternehmen vielfach schon ein strategisch relevantes Thema und doch fühlen sich 61 Prozent von ihnen allenfalls als Mitläufer und damit nicht oder nur teilweise für die Herausforderungen dieses Umwälzungsprozesses gewappnet. Die Mehrheit der Unternehmensentscheider hat zudem bislang keine funktionierende Digitalstrategie implementiert; Pläne existieren allenfalls auf dem Papier. Insgesamt haben die Unternehmen erkannt, dass von der Strategie und den Mitteln, mit denen sie der Digitalen Transformation begegnen, die Zukunft des Unternehmens abhängt – doch dafür müssen sie ihre IT anpassen.

3. Der Wandel wirkt als Zentrifugalkraft, teilt Unternehmen in Gewinner und Verlierer.

Wer die Digitale Transformation jetzt noch immer nicht ganz oben auf der Strategie- und der Investitionsagenda hat, der wird in Zukunft kaum eine Chance am Markt haben. Die Studie zeigt, je größer ein Unternehmen ist, umso aktiver ist es bei der Gestaltung der Digitalen Transformation – und der Vorsprung auf den Mittelstand könnte damit weiter wachsen. Es gibt zudem einen klaren Zusammenhang zwischen Digital Excellence und der erfolgreichen Implementierung einer Digitalstrategie. So haben bereits rund zwei Drittel der Profiteure und Gestalter ihre Strategie erfolgreich implementiert und mit der Umsetzung in die Praxis begonnen. Die Skeptiker verlieren hier an Boden.

4. Die Kunden treiben die Unternehmen vor sich her.

Der Datenaustausch via Cloud und mobile Kommunikation sind im Privatleben – und damit auf Kundenseite – längst Gang und Gäbe. Die Unternehmen stellt das vor neue Herausforderungen, 80 Prozent glauben, dass sich die Digitale Transformation speziell auf den Kundenservice stark oder sehr stark auswirken wird. Die Kunden sind also die Treiber dieses Wandels, der damit nicht zuletzt die Anforderungen an die Mitarbeiter verändert. Kundenfokussierung ist Trumpf!

5. Die IT-Abteilungen sind die entscheidenden Akteure bei Steuerung und Umsetzung des Transformationsprozesses.

Erster Ansprechpartner für die Umsetzung einer passenden Transformationsstrategie ist und bleibt für die Unternehmen die eigene IT, auch wenn das Thema längst zu einem übergreifenden Paradigma gereift ist. Für die IT-Abteilung bedeutet das, neben der Kundenzentrierung einen stärkeren Fokus auf die strategischen Aufgaben zu legen. Als reinen Umsetzer sehen die IT nur noch 35 Prozent der Entscheider, mehr als die Hälfte wollen sie als Ideengeber.

6. Der CIO wird zum zentralen Impulsgeber in den Unternehmen.

Allen voran soll sich der Chief Information Officer zum Chief Innovation Officer oder einem Chief Digital Officer entwickeln. Er muss sich den so wichtigen strategischen Überblick über die digitalen Erfordernisse im Unternehmensumfeld verschaffen. Doch dafür benötigt der Digital-Verantwortliche mehr Zeit, die er in die Anpassung der Geschäftsstrategie oder den Austausch mit der Unternehmensführung und den Kunden investieren kann. Entscheidend auch: Er muss innovativer Experte auf Technologieebene sein – und diese Position auch im Umgang mit der Geschäftsführung und den Kollegen einnehmen und -fordern.

7. Es sind Digital Leader gefragt.

Möglich ist dies nur mit einem CEO, der selbst über die entsprechende IT-Expertise verfügt. Denn zukünftig wird keine Entscheidungen auf Executive Ebene mehr getroffen werden, die nicht auch Einfluss auf die IT-Strategie hätten – und umgekehrt. Eine trag- und zukunftsfähige IT-Infrastruktur wird stärker als bisher zum Wettbewerbsfaktor und die entsprechenden Mitarbeiter Ansprechpartner für zentrale Fragen. Die Geschäftsführung muss hier auf Augenhöhe diskutieren, selbst handfeste Anstöße in Richtung des digitalen Unternehmens und neuer Geschäftsmodelle setzen. In den Vorstandsetagen werden zukünftig digitale Leader gefragt sein, die eine fundierte IT-Expertise nachweisen können.

8. Mit den aktuellen Budgets wird der Transformationsprozess nicht gelingen.

Besonders die IT-Verantwortlichen wissen: Die finanziellen Mittel müssen in die Umstrukturierung der eigenen IT-Landschaft und den Aufbau von Next-Generation-IT-Architekturen fließen, da die Anforderungen der einzelnen Fachabteilungen ein nie dagewesenes Niveau erreichen. 82 Prozent wünschen sich um mindestens 10 Prozent höhere Budgets für diese Anpassungen, 40 Prozent benötigen sogar um 20 Prozent größeres Investitionskapital. Ein erster Ansatz – der nicht zuletzt auch auf fehlende personelle Ressourcen zurückzuführen ist – ist das Einspannen externer Dienstleister. Vorteile von höherer Skalierbarkeit, größerer Flexibilität und On-Demand-Services kommen so schon zum Tragen.

9. Das Rechenzentrum ist das Epizentrum der Digitalisierung.

Im Zentrum der Überlegungen für die Umgestaltung des eigenen Unternehmens steht neben den Fähigkeiten der Mitarbeiter nach wie vor das Rechenzentrum. Für 68 Prozent der Unternehmen spielt es bei der Umsetzung der Digitalen Transformation eine Hauptrolle oder sogar die des Regisseurs. Der Erhalt des Status Quo ist für ein modernes Unternehmen aber keine Option. Das Rechenzentrum muss künftig Dreh- und Angelpunkt einer dynamisierten IT-Infrastruktur sein, zuverlässig, sicher und gleichzeitig flexibel werden. Es gilt, die gesamte IT-Architektur zu transformieren und die Migration der Next Generation IT erfolgreich zu gestalten – mit Hybridlösungen und punktuellen Ergänzungen durch On-Demand-Services.

10. Die Cloud ist tot – es lebe die Cloud.

Die Digitale Transformation beginnt in der Regel mit dem Umstieg auf As-a-Service-Modelle, der Nutzung von Lösungen in den Bereichen Business Analytics und Big Data sowie mit Ansätzen für ein optimiertes Mobile Business. 81 Prozent der befragten Unternehmen setzen bereits auf Service-Anbieter und professionelle Partner von außen – wollen inzwischen aber weniger reine Rechen- und Speicherleistung einkaufen, sondern vielmehr vom Management und Service der Experten profitieren. Die Herausforderung für die Unternehmen besteht darin, diese Leistungen mit den eigenen Richtlinien in Einklang zu bringen sowie agil und flexibel in die bestehende Struktur zu integrieren. Das Buzzword „Cloud Computing“ kann zwar keiner mehr hören, doch IT-as-a-Service ist aktueller denn je.

Der Artikel ist auch erschienen auf focus.de

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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