Breitbandausbau: Kabel statt WLAN

Deutschland kann den Durchschnitt der verfügbaren Internet-Geschwindigkeit nicht signifikant heben und fällt im globalen Ranking um neun Plätze zurück. Doch statt den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur zum obersten Thema zu machen, will das Verkehrsministerium mit kostenlosem WLAN punkten.

Deutschlands Unternehmen haben für 2015 einen großen Vorsatz: die Umsetzung der Digitalen Transformation. Keine Trendliste kommt mehr ohne Maßnahmenkatalog für den digitalen Wandel daher, Digitalisierung ist das vorherrschende Thema der Stunde. Wie wird der Betrieb für Transformationsprozesse fit gemacht, welche Digitalstrategie wird gewählt, wie können das Internet der Dinge, Big Data oder die sozialen Medien zum Wertschöpfungsprozess beitragen?

Auch das Verkehrsministerium hat sich mit dem neuen Jahr neuen Aufgaben zugewendet. Die Lust an der Maut scheint verflogen und Minister Dobrindt ist sichtlich bemüht, ein paar Sympathiepunkte zu sammeln. Kostenloses WLAN soll es sein. Im ICE und auch im Berliner Nahverkehr sollen die Bürger bald unbegrenzt surfen können. Das Ministerium selbst will nach all der Kritik an der altmodisch daherkommenden Pkw-Vignette endlich auch mal als Vorreiter gelten und deshalb schon bald drahtlosen Internetzugang rund um das Dienstgebäude in Berlin-Mitte anbieten.

Von einem echten Impuls kann man allerdings kaum sprechen, denn der WLAN-Vorstoß ist trotz des richtigen Themenwechsels im Ministerium nicht vielmehr als eine nette PR-Aktion. Die Berliner surfen in der U-Bahn und Dobrindt lässt sich mit Bahn-Chef Grube im ICE ablichten – Hochglanzfotos, die Aufbruch vermitteln sollen. In Wahrheit schafft es Deutschland aber nicht einmal, im digitalen Wettbewerb auch nur Schritt zu halten: Im internationalen Vergleich der durchschnittlichen Internet-Geschwindigkeit ist Deutschland gerade von Platz 22 auf Platz 31 zurückgefallen. In der entsprechenden Studie der Firma Akamai wurde eine tatsächlich verfügbare Bandbreite von 8,7 Mbit/s ermittelt, wodurch sich die größte Baustelle des Landes nicht länger kaschieren lässt. Der Breitbandausbau, Fundament für den digitalen Wandel und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, kommt nicht mal ansatzweise voran. Denn abgesehen von der niedrigen Geschwindigkeit – zum Vergleich: Südkorea liegt mit durchschnittlichen 25,3 Mbit/s auf Platz 1 – holen andere Länder wesentlich schneller auf. Nur um 15 Prozent konnte Deutschland gegenüber dem Vorjahr zulegen. Im Ranking kostet das neun Plätze – in der wirtschaftlichen Realität Aufträge und Arbeitsplätze. Vor allem dort, wo noch immer kein Glasfaserkabel hinführt.

Breitbandausbau ist Aufgabe des Bundes

Denn während Dobrindt die sowieso schon gut versorgte Hauptstadt aufrüstet, wächst der Unmut in Gemeinden und Kommunen. In vielen ländlichen Regionen sind Verbindungsgeschwindigkeiten von weniger als 2 Mbit/s keine Seltenheit. Die lokalen Politiker wissen um die Probleme ansässiger Unternehmen, haben aber oft nicht die nötigen Mittel, um etwas an den Zuständen zu ändern – pro Kilometer Glasfaserkabel fallen bis zu 70.000 Euro an. Ein kompletter Ausbau auf deutschlandweite 50 Mbit/s wie von der Bundesregierung bis 2018 versprochen würde nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums rund 20 Milliarden Euro kosten.

Gewiss, die Kosten sind immens. Doch der Zugang zum schnellen Internet ist die wichtigste Voraussetzung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Viele haben das erkannt. In den USA, zum Beispiel, hat Präsident Obama den Breitbandausbau gerade zur Chefsache erklärt. Ohne den konsequenten Ausbau des Glasfaserkabelnetzes unter Anleitung der Bundesregierung wird Deutschland im Vergleich weiter zurückfallen. Denn der digitale Wettbewerb wird nicht durch einen WLAN-Zugang am Ministeriumsgebäude entschieden, sondern durch die landesweite IT-Infrastruktur. Und um die zu transformieren, müssen Glasfaserkabel verlegt werden. Die Länder dürfen mit dieser Aufgabe nicht alleingelassen werden.

Zuerst erschienen auf focus online.

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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