Cloud statt Maut

Der große Hype um Cloud Computing ist zwar lange her, trotzdem wird die Cloud in Deutschland noch immer unterschätzt. Dabei steckt im Cloud Computing enormes Potenzial, Wachstum und Arbeitsplätze zu kreieren. Und während die EU auf die zunehmende Digitalisierung reagiert, diskutiert Deutschland lieber über Papier-Vignetten.

Alle sprechen über sie. Und irgendwie nutzt sie auch jeder, zumindest im Privatbereich. Doch wirklich erkannt wird das Potenzial, das sich durch die Cloud und IT-as-a-Service ergibt, noch immer nicht. Zumindest nicht im technikskeptischen Deutschland. Während sich Politik und Medien hierzulande um die Einführung der PKW-Maut streiten, einem „Aufkleber aus dem vergangenen Jahrtausend“, wie Zeit Online treffend bemerkte, treiben andere Länder den Ausbau ihrer IT-Infrastruktur kontinuierlich voran.

Und das bestimmt nicht nur wegen eines Hypes: Schließlich steckt im Cloud Computing ein Marktpotenzial von rund 160 Milliarden Euro. Bis 2025 könnten EU-weit rund 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Hierfür müssten allerdings Datenschutzrichtlinien europaweit harmonisiert und der Irrweg der nationalen Alleingänge gestoppt werden.

Auch dem deutschen Mittelstand würde eine “Cloud-freundliche“ Politik ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. So wächst allein die deutsche Internetwirtschaft jährlich um etwa elf Prozent und wird bis 2016 wohl rund 80.000 neue Arbeitsplätze schaffen, wie eco, der Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V., mitteilt. Für den Bereich Cloud Computing rechnet der Verband sogar mit einer Steigerung von bis zu 33 Prozent.

Gleichzeitig ließe sich verhindern, dass Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft verloren gehen. Wer im weltweiten Wettbewerb bestehen will, muss heute in moderne IT-Infrastruktur investieren. Das gilt sowohl für die Unternehmen, als auch für den Standort Deutschland selbst. Wenn der Minister für Infrastruktur vorrangig damit beschäftigt ist, per Vignette Geld von Autofahrern abzuschöpfen, dann ist das ein deutliches Signal dafür, dass politische Prioritäten falsch gesetzt werden.

Der EU bleiben die Entwicklungen hingegen nicht verborgen. Genervt von der deutschen Diskussion um Maut, Grenzverkehr und potenzieller Diskriminierung stehen hier längst andere Themen auf der Agenda. So tauscht sich seit letztem Jahr eine Expertenkommission über eine optimale Gestaltung der Bedingungen aus, um Europa ins digitale Zeitalter zu führen. Faire Vertragsbedingungen für IT-as-a-Service-Nutzer, europaweit einheitliche Technik-Standards sowie die Vernetzung von Industrie und öffentlichem Sektor sind Ziele, die mehr Gewicht haben sollten als ein öffentlichkeitswirksames Stück Papier hinter der Windschutzscheibe.

Fazit: Die notwendige Diskussion zur Digitalen Agenda geht im Streit um die Pkw-Maut unter. Wenn Deutschland das Potenzial der Next-Generation-IT endlich erkennt, könnte das Land sein politisches Gewicht an der richtigen Stelle einbringen und die entscheidenden Weichen für die Zukunft stellen – nicht nur für sich selbst, sondern für ganz Europa.

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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