Wie man sich mit der Offenlegung seiner Patente selbst beschenkt

Mit der Offenlegung seiner Patente hat der kalifornische Elektroauto-Hersteller Tesla zugleich für Staunen und für Verwunderung gesorgt. Nicht wenige halten diesen Schritt für wirtschaftlichen Unsinn. Und doch steckt dahinter mehr Kalkül als man zunächst glauben möchte.

Stellen Sie sich vor, ein Automobilhersteller stellt seine wertvollen Patente von einem Tag auf den anderen der Allgemeinheit zur Verfügung. Würden Sie nicht auch denken, die Unternehmensführung sei verrückt geworden? Würden Sie nicht auch sagen: Ein guter Dienst an der Allgemeinheit, ja, aber wie ruinös für das eigene Geschäft.

Ein Automobilhersteller der dies tut, muss nicht zwangsläufig altruistisch veranlagt sein und er muss sich auch nicht selbst ökonomisch schaden wollen. Im Gegenteil: Mit der Freigabe seiner Patente folgt der kalifornische E-Autobauer Tesla ausschließlich wirtschaftlichen Überlegungen. Denn die Offenlegung der Patente bedeutet auch die Öffnung und Vergrößerung des Marktes für Elektroautos – mit einer hervorragenden Ausgangssituation für Tesla. Nach der publicityträchtigen Nachricht, die Elon Musk über einen Blog-Eintrag lancierte, sprach bald die ganze Welt über die gute Tat des Autobauers. Der neu entstehende Markt wird so schnell nicht vergessen, wie er gegründet wurde. Eine Vormachtstellung ist dem Autobauer trotz neuer Konkurrenz wegen seiner jahrelangen Entwicklungsarbeit erst einmal sicher, der Marketingwert der Aktion enorm.

Dabei ist die Überlegung gar nicht neu: Märkte schaffen durch offene Systeme ist in der IT-Branche längst Usus. Verbreite deine Technologie, spare Entwicklungskosten und gewinne neue Nutzer, indem du dir einen neuen, größeren Markt durch Offenlegung deines Quellcodes schaffst. Der einst zu Marketingzwecken eingeführte Begriff „Open Source“ hat Schule gemacht.

Weiterentwicklung durch Kooperation mit der Konkurrenz

Das Prinzip der Weiterentwicklung durch Einbindung der Konkurrenz ist in der IT-Branche weit über das Softwaregeschäft hinaus verbreitet. So kooperiert der Telekommunikations-Riese Cisco heute etwa mit strategischen Partnern, Kunden und Cloud-Anbietern, um die größte öffentliche Cloud-Plattform für geschäftskritische und hochperformante Anwendungen zu schaffen. Auch andere offene, globale Cloud-Partnerschaftsprogramme bieten Dienstleistern, Bildungseinrichtungen und Behörden dank des großen Netzwerks Möglichkeiten und Kanäle, neue Cloud-Lösungen schnell auf den Markt zu bringen.

Fazit: Es gilt, sich weiterzuentwickeln. Unternehmen, die wachsen oder sich am Markt behaupten wollen, müssen neue Angebote schaffen und auf veränderte Bedürfnisse der Kunden reagieren können – auch oder gerade wenn sie damit den Wettbewerb stärken. Wer dies nicht schafft, wird nicht mehr allzu lange vom Besitz einiger Patente profitieren.

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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