Cloud und Outsourcing – eine herausfordernde Kombination

In einem erkenntnisreichen Gespräch mit dem IT-Leiter eines großen, international tätigen Konzerns habe ich kürzlich wieder einmal erfahren, wie schwer sich Unternehmen mit der Implementierung von Innovation tun. Im schnelllebiger werdenden Geschäftsumfeld schränkt die langfristige Planung die Handlungsfähigkeit häufig ein.

Das Unternehmen meines Gesprächspartners ist ein international tätiger Konzern mit über 400 Standorten weltweit. Durch dessen aktiv betriebene Expansionspolitik wächst auch der Bedarf nach einer flexiblen, anpassungsfähigen IT, die mit dem Geschäft „atmet“ – frei nach den Anforderungen der jeweils aktuellen Situation. Tatsächlich ist die an zwei Outsourcer vergebene IT des Konzerns – wie so oft bei Großunternehmen – äußerst unflexibel. Die Chance, mit der Akquise neuer Unternehmen auch eine Neustrukturierung der IT im Konzern vorzunehmen und sich dadurch Vorteile auf dem Markt zu erkämpfen, bleibt ungenutzt.

Woran liegt es, dass sich das Unternehmen selbst beschränkt? Nun, in erster Linie ist es das Festhalten an einer konventionellen, über viele Jahre gewachsenen IT-Infrastruktur. Die langfristige Planung kann man einem Großkonzern nicht vorwerfen. Allerdings macht sie es den Verantwortlichen immer schwerer, adäquat auf die Schnelllebigkeit des Marktes zu reagieren.

Die Übernahme eines Unternehmens markiert einen sinnvollen Zeitpunkt, neue Technologien mit neuem IT-Bezugsmodel zu implementieren, also auf Software-as-a-Service (SaaS) anstatt auf starre Leistungserbringung zu setzen. Durch die Langfristigkeit der Outsourcingverträge ist dies für Unternehmen jedoch mit höheren Kosten verbunden. Denn die Kombination der zwei Modelle hat zur Folge, dass die neue, eigentlich flexiblere Cloud-Dienstleistung in die bestehenden Prozesse eingebunden werden muss. Weil das Rechenzentrum und die IT-Betriebsthemen langfristig an einen anderen Outsourcer vergeben sind, ist deren Nutzung fast alternativlos, d.h. der neue Dienstleister kann mit geringerem Volumen nur den Betrieb von Software und Randthemen erbringen.

Das Potenzial der Cloud kommt nicht zur Geltung

Zukünftig müssen Services vertikal geschnitten werden, damit Rechenzentrumsleistungen optimiert und automatisiert werden können. Ohne Rechenzentrums- und Betriebskomponenten, die im Beispiel des Großkonzerns bei den Outsourcern bleiben würden, wäre jede Lösung erneut eine Individuallösung. Das eigentliche Potenzial der Cloud kommt nicht zur Geltung und der ausbleibende Mehrwert scheint den Innovationsverweigerern Recht zu geben. Das Unternehmen steckt in der Outsourcing-Falle.

Wie aber kann ein Unternehmen in einer solchen Outsourcing-Falle trotzdem flexibel und innovativ bleiben und gleichzeitig die Kosten laufend optimieren? Zentral ist es, das Outsourcing intelligent zu schneiden. Zu große Blöcke verhindern Flexibilität beim Wechsel des Anbieters. In der Vergangenheit wurde beim Outsourcing eher horizontal geschnitten, d.h. die gesamten Rechenzentrumsthemen inklusive der Netze gingen an einen Provider und die Applikationen an einen anderen. Unternehmen mit einer solchen IT-Infrastruktur brauchen heute einen Partner, der sie fit für die digitale Transformation macht.

Anstelle eines starren Outsourcings sollte ein Mix aus der Nutzung der vorhanden Rechenzentren, Private Clouds und Public Clouds stehen, der jederzeit offen ist für ein Shiften von Workloads von der einen in die andere Richtung. Je nachdem wie das Geschäft es erfordert. Zudem ist es wichtig, applikationszentrisch zu denken. Denn im Zweifel ist es egal, wer das Rechenzentrum hinter der Anwendung betreibt: Mit dem Fokus auf die Anwendung behält man die Flexibilität beim Anbieterwechsel.

Fazit: Gerade große Unternehmen stecken mit ihrer IT-Infrastruktur über langfristige Verträge in der Outsourcing-Falle. Durch einen flexiblen Mix aus der Nutzung vorhandener Rechenzentren, Private Clouds und Public Clouds können Unternehmen dieser Falle entkommen. Dabei sollten Leistungen eher vertikal als horizontal ausgelagert werden.

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Author: Andre Kiehne

Director Solution Sales, Microsoft Germany GmbH

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